Lieben wie Geschwister – Gedanken zum Hebräerbrief 13,1

Am kommenden Sonntag wird in vielen Kirchen und Gemeinden über Hebräer 13,1-3 gepredigt. Als Vorgeschmack für den kommenden Sonntag ein paar Gedanken zu Vers 1.

Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben.
(Gute Nachricht Bibel)

Ich mag dieses Bild: liebt einander wie Geschwister. Ich habe eine positive Verbindung damit. Und man sollte meinen, dass man das unter Christinnen und Christen nicht eigens erwähnen bräuchte. Es ist doch klar, dass wir einander wie Geschwister lieben sollten. Meine Beobachtung ist aber häufig eine andere. Nicht nur durch die Kirchengeschichte hindurch, auch heutzutage gibt es ständig Streitereien. Meist geht es darum, wer Recht hat. Wer hat das richtige Bibelverständnis? Wer weiß am besten, wie man zu leben und mit manchen Fragen umzugehen hat? Und wo man keinen gemeinsamen Nenner findet, fangen Christen untereinander an, sich den Glauben, die Erlösung und was weiß ich nicht alles abzusprechen. Wozu führt das? Es führt dazu, dass sich Gläubige zurückziehen, weil sie ihre Meinung nicht mehr offen sagen können, ohne blöde Kommentare oder Anfeindungen erwarten zu müssen. Es führt dazu, dass sich Zweifelnde zurückziehen, weil sie das Gefühl haben, ihre Zweifel nicht mehr äußern zu dürfen, ohne entweder verbal in die Hölle geschickt oder mit Plattitüden abgespeist zu werden wie: „Du musst einfach glauben, dann wird das schon wieder.“ Ich finde es bezeichnend, dass ich meine Gedanken zu manchen Glaubensthemen lieber mit Nichtgläubigen teile als mit meinen Geschwistern in der Gemeinde. Das ist nicht das Familienklima, das wir hier haben sollten.

Mir kommt sofort die Frage: Welchen Wert haben deine Geschwister für dich? Geschwister zu haben ist ja nicht für jeden gleich. Manche sind ohne Bruder oder Schwester aufgewachsen. Andere Geschwister sind verfeindet und sprechen höchstens abwertende oder verletzende Worte miteinander. Wieder anderen geht es wie mir: Ich habe Kontakt mit meinen Brüdern, allerdings eher sporadisch. Wenn wir aber zusammen sind, sind wir einander zugewandt und genießen es, zusammen zu sein. Meine Brüder sind die Menschen, mit denen ich mich am meisten gezofft habe. Gleichzeitig war aber klar: Wer sich mit meinen Brüdern anlegt, legt sich auch mit mir an, egal, wie unterschiedlich wir manchmal gedacht haben und was auch zwischen uns nicht so gut gelaufen ist. Für mich war immer klar: als Geschwister halten wir zusammen und stehen füreinander ein, komme, was wolle.

Für alle Eltern, die das lesen: Wie geht ihr damit um, wenn sich eure Kinder darum streiten, wer Recht hat? Wenn sich meine Kinder streiten, geht es mir als Vater in erster Linie nicht darum, welchem Kind ich nun Recht geben sollte. Mir geht es darum, dass meine Kinder ihren Streit austragen können, ohne dabei ihrer Beziehung zueinander zu schaden. Geschwisterliche Liebe unter uns sollte niemals die Beziehung zueinander aus dem Blick verlieren, andernfalls sind wir auf jeden Fall auf dem falschen Weg. Ich wünsche mir eine Gemeinschaft von Christinnen und Christen, in der wir offen Gedanken austauschen können, ohne dass sich andere Leute um meinen Glauben Sorgen machen oder wir uns meiden, weil wir die Gedanken der Anderen nicht ertragen können. Ich wünsche mir geschwisterliche Liebe, die Unterschiede aushält und miteinander um einen guten Weg ringt.

Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben.

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